Ringvorlesung: "Was hilft heilen?"

Ort: Hörsaal 23.3, bei Bedarf mit Liveübertragung in Nebenhörsäle.
Einlass jeweils 45 min vor Beginn für Studierende und Lehrende der Human- und Zahnmedizin in Frankfurt/Main (Nachweis / Ausweis z. B. Studienbescheinigung des Fachbereichs mitbringen).

Die Vorlesungen werden aufgezeichnet.

  Einführung

01.06.2016, 17:30-18:00 Uhr

Prof. Dr. med. Tobias Esch und Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach, MPH,
Dr. Eckart von Hirschhausen

Abseits des Üblichen werden neue Perspektiven auf Gesundheit und Gesundheitswahn, Glück, Wohlbefinden und Heilung sowie Medizin und Medikamente im Übermaß eröffnet. Die Ringvorlesung richtet sich an Studierende der Human- und Zahnmedizin und deren Lehrende.

  Humor hilft heilen

01.06.2016, 18:00-20:00 Uhr

Dr. Eckart von Hirschhausen

Wie die positive Psychologie das Gesundheitswesen verändert

Lachen ist die beste Medizin. Aber wie viel muss man lachen, mit wem, gibt es Nebenwirkungen? Kann man sich öfter als zwei Mal halb tot lachen?

In dieser Vorlesung lernen Sie den Arzt und Komiker von seiner ernsten Seite kennen.

Anhand von Biografie, Erfahrungen in Medizin, Wissenschaftsjournalismus und eigenen Forschungsarbeiten kann Dr. Eckart v. Hirschhausen faszinierend über sein Lebensthema berichten: HUMOR UND MEDIZIN.
Von Kindheit an sammelte er Zaubertricks und kuriose Gedanken. Parallel zum Studium war er bereits als Moderator tätig, anschließend als Arzt in der Kinder-und Jugendpsychiatrie.

In den 90er Jahren entwickelte er das medizinische Kabarett als eigene Kunstform, um Menschen für Lebensfreude, körperliche und seelische Gesundheit humorvoll zu begeistern. Seine Bücher "Glück kommt selten allein" oder "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" wurden Bestseller.

Seit 8 Jahren fördert seine Stiftung HUMOR HILFT HEILEN die heilsame Stimmung im Krankenhaus, mit Clowns, Workshops für Pflegende und Begleitforschung, zum Beispiel bei Erwachsenen nach Schlaganfall oder psychosomatischen Herzpatienten.

In diesem Vortrag werden erste Ergebnisse vorgestellt und ein kompetenter Überblick über die ernsthafte Wissenschaft der positiven Gefühle gegeben. Die Zuhörer sind bei Hirschhausen oft überrascht, wie viel Recherche und Querdenken hinter der scheinbar leichten Kunst steht, Menschen nachhaltig in Gesundheitsthemen kompetenter zu machen.

Wünsche für die Mediziner von morgen
Memo zur Vorlesung von Eckart v. Hirschhausen [link]

  Die Neurobiologie des Wohlbefindens

22.06.2016, 18:00-20:00 Uhr

Prof. Dr. med. Tobias Esch

Was ist Glück?

Zunächst schauen wir uns das Glück - oder Unglück - an Beispielen aus unserer Alltagswelt an.

Dem Versuch einer Definition und Taxonomie des "Glücks" folgend, wollen wir uns nun mit dahinter stehenden Mechanismen, v.a. anhand von Neurobiologie und Hirnforschung, beschäftigen.

Finden wir im Gehirn das Glück? Lässt sich eine naturwissenschaftlich-biologische Topografie des Wohlbefindens erstellen? Welchen "Sinn" hat Glück und welche Konsequenzen hat "Zufriedenheit" einerseits und z.B. "chronisches Unglück" (hier: chronischer Stress) für Gesundheit und Lebensqualität andererseits? Schließlich: Was hat das alles mit einer "Voreinstellung" zu innerem Wachstum und Wohlbefinden zu tun? Wir werden Fragen stellen, einige Antworten diskutieren - und vielleicht auch etwas gemeinsam ausprobieren!

Prof. Dr. med. Tobias Esch ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Gesundheitsforscher und Neurowissenschaftler.

Berufung zum Professor für Integrative Medizin/ Integrative Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg, Freistaat Bayern (2006-2016).
Visiting Professor of Medicine (Gastprofessor) an der Harvard Medical School (Division of General Medicine and Primary Care, Beth Israel Deaconess Medical Center), Boston (2013-2015).
Research Associate an der State University of New York - Neuroscience Research Institute (2001-heute).

Im Februar 2016 übernahm Prof. Esch die Universitätsprofessur für Integrative Primärversorgung an der Universität Witten/Herdecke (Department Humanmedizin).

  Hauptsache gesund? Leben "Nein Danke"?

29.06.2016, 18:00-20:00 Uhr

Prof. Dr. phil. Annelie Keil

Der Mensch ist mehr als sein Befund

Gesundheit ist kein Kapital, das der Mensch zwischen Geburt und Tod wie eine "Salami" bis zum letzten Zipfel aufzehren kann. Vielmehr ist Gesundheit eine umfassende Lebenskompetenz, die unter allen Lebensumständen mit Intuition, Krankheitserfahrung, Herz und Verstand immer wieder neu erzeugt werden muss.

Größte Gefahr ihrer Heilungspotentiale droht durch einen "Gesundheitswahn". Dieser dient als Ersatzreligion und enteignet systematisch den "objektiven Faktor Subjektivität" und trägt das Leben als Risiko und Nebenwirkung zum Arzt und Apotheker.

Annelie Keil, geboren 1939, hat aus der Erfahrung von Krieg, Gefangenschaft, Flucht und dem Leben mit Sozialhilfe als Kind und Jugendliche viel gelernt; Studium der Politischen Wissenschaften, Soziologie u. Pädagogik, 1968 Promotion, 1971- 2004 Professorin an der Universität Bremen, Arbeitsbereiche: Sozialarbeitswissenschaft, Gesundheitswissenschaften und Krankenforschung, angewandte Biographie- und Lebensweltforschung, langjährige Dekanin des Fachbereichs Human- und Gesundheitswissenschaften; umfangreiche Vortragstätigkeit, Radio- und Fernsehsendungen zum Bereich Gesundheit und Krankheit. Aufbau und Durchführung des Weiterbildungsstudiums "Palliative Care" an der Universität Bremen, 1992 Berninghausen Preis für ausgezeichnete Lehre, 2004 Bundesverdienstkreuz; Autorin einiger Bücher, Artikel, Filmarbeit. Seit 2004 im arbeitsamen "Ruhestand" jenseits der Erwerbsarbeit. Kontakt über: www.anneliekeil.de

Material zur Vorlesung [PDF]

  Weniger ist manchmal mehr

13.07.2016, 18:00-20:00 Uhr

Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach, MPH

Quartärprävention als Schutz vor zu viel und falscher Medizin

Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach, MPH ist Facharzt für Allgemeinmedizin und als Vorsitzender des Sachverständigenrats [link] zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen Deutschlands "oberster Gesundheitsweiser". Er ist darüber hinaus amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) [link] und Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

In seiner Vorlesung geht es um die bislang wenig beachtete "Quartärprävention", den Schutz von Patienten vor zu viel und falscher Medizin.

An Hand von spannenden Beispielen zeigt er, warum ein Stethoskop mehr ist, als ein magisch-dekoratives Statussymbol ärztlicher Kunst, wo weniger manchmal mehr wäre und wie Über-, Unter- und Fehlversorgung zusammenhängen. Ärztinnen und Ärzte sollen befähigt werden, gemeinsam mit ihren Patienten zukünftig klug und heilsamer zu entscheiden.

  Choosing Wisely

05.10.2016, 18:00-20:00 Uhr

Prof. James McCormack, BSc (Pharm), PharmD

Less is more, more or less

An evidence-based, common sense approach to dealing with polypharmacy

The objective of this presentation is to provide people with practical tricks, tips, and tools to help deal with the problem of polypharmacy. Polypharmacy is not so much the number of medications, but rather just being on one or more inappropriate medications. I will briefly discuss the problems associated with polypharmacy and then outline an evidence-based approach (with a touch of common sense) that can be used to improve medication use. In addition, many of the problems of polypharmacy arise because for almost all medications we use doses that are too high for most patients. I will outline an approach for how to deal with this problem as well. At the end, I will briefly demonstrate a free interactive web-based polypharmacy tool called MedStopper which provides a useful approach to helping people decide which medications to potentially stop and also how best to stop these medications. To "prepare" for the session participants are asked to check out the Bohemian Polypharmacy video and be ready to sing at least one of the harmony parts upon request :-)

James received his undergraduate pharmacy degree at the University of British Columbia in 1982 and received his doctorate in pharmacy (Pharm.D.) in 1986 from the Medical University of South Carolina in Charleston, South Carolina. He has had extensive experience, both locally and internationally, talking to health professionals and consumers about the rational use of medications and has presented over 400 seminars on drug therapy over the last 25 years. His focus is shared-informed decision-making using evidence based information and rational therapeutic principles. In addition, he has published over 100 articles in the medical literature, mainly in the area of rational drug therapy. He is also the co-host of a very popular weekly podcast called the Best Science (BS) Medicine podcast.

Eine thematische und didaktische "Youtube-Kostprobe" der besonderen Fähigkeiten von James McCormack [link]

Weniger ist mehr, mehr oder weniger

Ein rationaler evidenz-basierter Ansatz der Polypharmazie

Dieser Vortrag bietet praktische Tipps und stellt Werkzeuge vor, die Sie dabei unterstützen sollen mit den Problemen bei Polypharmazie besser umzugehen. Das Problem der Polypharmazie liegt weniger in der Anzahl der Medikamente begründet, als vielmehr darin, dass ein Patient ein oder mehrere ungeeignete Medikamente verordnet bekommt. Ich werde kurz die Probleme diskutieren, die mit Polypharmazie einhergehen und werde einen evidenzbasierten Ansatz vorstellen, der (in Kombination mit ein wenig gesundem Menschenverstand) dazu dienen soll, Arzneimittelverordnungen zu verbessern. Zudem werde ich im Vortrag auch darauf eingehen, dass viele der Polypharmazie-Probleme erst dadurch entstehen, weil bei fast allen Medikamenten zu hohe Dosierungen verordnet werden. Schließlich werde ich kurz das kostenfreie interaktive, Internet-basierte Polypharmazie-Tool MedStopper vorstellen, das bei der Entscheidung, welche Medikamente abgesetzt werden können, eine Entscheidungshilfe bietet und darüber hinaus für das konkrete Absetzen von bestimmten Medikamenten praktische Hinweise liefert. Als kleine "Vorbereitung auf den Vortrag" können Sie sich schon vorab das "Bohemian Polypharmacy Video" ansehen und sich darauf einstellen, im Takt der Musik zu grooven.