§73-Orthopädie - Evaluation des Vertrages zur Versorgung im Fachgebiet der Orthopädie in Baden-Württemberg gemäß § 73c SGB V

Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems - Rückenschmerzen, Osteoporose, Arthrose und rheumatoide Arthritis - sind weltweit die häufigsten Ursachen chronischer Schmerzen, eingeschränkter körperlicher Funktionen und verminderter Lebensqualität. Sie verursachen zudem die meisten Arbeitsunfähigkeitstage, sind der zweithäufigste Grund für Frühberentungen und führen zu hohen Kosten.

Der Vertrag zur Versorgung im Fachgebiet der Orthopädie der AOK Baden-Württemberg (BaWü) hat zum Ziel, die gesundheitliche Versorgung muskuloskelettal Erkrankter in Baden-Württemberg zu verbessern. Wesentliche Versorgungsbausteine des Vertrages sind die bessere Versorgungskoordination zwischen Hausarzt und Orthopäden, sowie zwischen allen am Versorgungsgeschehen beteiligten Behandlern, die biopsychosoziale Anamnese, die Information sowie die motivationale Beratung u. a. zu präventiven und gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand. Patientenkompetenz, Selbstmanagement und Patientensicherheit sollen gestärkt werden. Vertragspartner sind die AOK Baden-Württemberg, die Bosch BKK, der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie, der Berufsverband der niedergelassenen Chirurgen Deutschlands e.V., der MEDI Baden-Württemberg e.V. und die MEDIVERBUND AG. Der Vertrag wurde 2014 geschlossen, derzeit suchen pro Quartal ca. 90 Tsd. Patientinnen und Patienten der über 530 Tsd. am FacharztProgramm teilnehmenden Versicherten einen Orthopäden oder Unfallchirurgen auf.

Das Projekt "§73-Orthopädie - Evaluation des Vertrages zur Versorgung im Fachgebiet der Orthopädie in Baden-Württemberg" untersucht, inwieweit die Versorgungsziele des Vertrages erreicht werden. Anhand von anonymisierten Routinedaten der AOK Baden-Württemberg werden Inanspruchnahme der Versorgung, Kosten und Arbeitsunfähigkeitstage analysiert. Zudem wird die Gesundheitsversorgung aus Sicht von Ärzten, medizinischen Fachangestellten und Patienten bewertet und die Beratungspraxis sowie die Inanspruchnahme und Akzeptanz gesundheitsfördernder Maßnahmen untersucht.

Über die Selektivvertrags-Evaluation hinaus gewinnt das Projekt Erkenntnisse über Optimierungspotentiale in der Versorgung muskuloskelettal Erkrankter. Die sog. "Facharztverträge" der AOK BaWü und ihrer Vertragspartner sind bundesweit (nahezu) die einzigen Selektivverträge, die die kooperative Versorgung eines breiten Spektrums von - v.a. chronischen Erkrankungen - eines Fachgebietes zwischen Hausarzt und Fachspezialisten im Sinne einer ‚alternativen Vollversorgung' zu gestalten versuchen.

Konsortialpartner sind:

  • Die AOK Baden-Württemberg (Konsortialführung)
  • Institut für Allgemeinmedizin (ergebnisbezogene, summative Evaluation auf Basis der Routinedaten der AOK BaWü)
  • Ruhr-Universität Bochum, Abteilung Medizinische lnformatik, Biometrie und Epidemiologie (statistische Analysen für Ergebnisbezogene, summative Evaluation)
  • Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement (Gesundheitsökonomie auf Basis der Routinedaten der AOK BaWü)
  • Sportmedizin Goethe-Universität Frankfurt (Erhebung von Primärdaten aus Patienten- und Praxisperspektive)
  • das aQua-Institut in Göttingen (Prozessevaluation)

 Projektlaufzeit

01.10.2018 - 30.09.2020

Das Projekt wird vom Innovationsfonds (01VSF17002) gefördert.

 Projektmitarbeiter (in Frankfurt)